Andrés & Jeremias

Alles begann zwei Jährchen zuvor

Wie schön es ist, wenn aus Kolleg*innen Freund*innen werden. So geschehen mit der wundervollen Julia Balthasar, die im selben Stadtteil wohnte und die mir über meinen weiteren Freundeskreis entfernt bekannt war. Ich mochte ihre Fotos und irgendwie auch sie als Menschen. Der erste oberflächliche Eindruck hatte mich positiv gestimmt und ich wollte gern mal mit ihr zusammenarbeiten. Irgendwann kontaktierte ich sie und fragte, ob sie Lust auf ein gemeinsames Shooting hatte. Hatte sie. Aber auch mehr als genug Respekt vor einem solchen Projekt und so kam es, dass ich sie über einen längeren Zeitraum immer mal wieder nervte, sie sehr intensiv zu überzeugen versuchte und sie letzten Endes mehr oder weniger dazu gezwungen habe, ein Projekt mit mir zu starten. #sorrynotsorry

 

Zwei Jahre, drei Shootings und eine innige Freundschaft später, hatten wir Lust, mal wieder ein neues Projekt zu starten. Aber wir hatten das Jahr 2020 und der ein oder andere vermutet wahrscheinlich schon, was das für uns bedeutete. Ja genau, wir mussten das Shooting so klein und unaufgeregt wie möglich halten und wollten trotzdem Mega-Fotos rausholen. Gesagt, getan. Also trafen sich genau ein Foto-Mensch, ein Trau-Mensch und zwei verliebte Menschen (aus einem Haushalt, was noch nie so wichtig war, wie zu dieser Zeit). Andrés & Jeremias sind zwei ganz bezaubernde und wahrhaftig verliebte Menschen und waren damit perfekt für unser Shooting. Der ideale Ort war übrigens die Osthafenbrücke in Frankfurt. Diese Brücke sah ich oft beim Gassigehen und die Architektur verzauberte mich immer wieder. Diesen Ort fanden allerdings auch andere Fotografen toll. Und andere Menschen im Allgemeinen. Und Leute, die Lust darauf hatten, den Sonnenuntergang über der Skyline zu genießen. Und der Verkehr war auch nicht zu verachten. An einem Samstagnachmittag. Shopping-Tag halt. Naja, wir haben das Beste daraus gemacht und es sogar geschafft, auf einigen Fotos keine anderen Menschen als unser lovely Modelpaar abzulichten. 

Trockenblumenliebe hoch zehn

Dass keine anderen Dienstleister anwesend waren, hat den kompletten Ablauf natürlich ungemein vereinfacht und wir konnten uns auf das für uns Wesentliche konzentrieren - die Trauung und die Paarfotos. Und doch haben wir natürlich ein bisschen was vermisst, denn mit der Papeterie, den vielen Outfits, dem Schmuck, der Torte, der Deko und der Musik kommen natürlich auch die dazugehörenden Menschen. Ich liebe es einfach, wenn eine große Gruppe begabter Hochzeitsdienstleister voller Enthusiasmus gemeinsam an einem Projekt arbeitet. Vielleicht konnte ich deshalb nicht entspannt in den Shooting-Tag starten, ohne kurzfristig noch einen Trockenblumenstrauß bei M.f.G. Daniela zu bestellen. Und kurzfristig heißt in diesem Fall wirklich kurzfristig. Am Abend vorher ging noch ziemlich spät die Anfrage raus. Daniela war zum Glück noch wach und noch dazu direkt dabei. Den Strauß haben Julia und ich kurz vor dem Shooting abgeholt und uns dabei in Danielas süßen Blumenladen in Frankfurt-Sachsenhausen verliebt. Und Julia war sogar richtig in love - sie hat den Strauß direkt vor Ort bezahlt und für sich privat beansprucht. Aber zuerst war das Bouquet ein weiterer Darsteller für unsere Fotosession. 

Gute Wünsche kann jeder gebrauchen

Für die Trauung hatte ich ein Ritual vorbereitet, bei dem Andrés & Jeremias kleine Herzen mit Kreidestiften beschriften konnten. Jeder durfte sich überlegen, was er sich für die gemeinsame Zukunft wünscht und da ja schon auf einer Brücke geheiratet wurde und die Brücke in diesem Zusammenhang symbolisch für den Übergang in die Ehe stand, wurden die Herzen auch ans Brückengeländer geknotet. War naheliegend, oder? Andrés und Jeremias wollten danach wieder brav aufräumen, aber ich war der Meinung, dass wir die Glücksherzen hängen lassen sollten. Immerhin kann jeder ein bisschen Liebe und gute Wünsche im Leben gebrauchen - besonders in dieser etwas schwierigeren Zeit.

Zum krönenden Abschluss gab's einen Sonnenuntergang zum Niederknien

Übrigens gab es während des Shootings wirklich viel Liebe. Nicht nur zwischen unseren Topmodels, die nach einer minimalen anfänglicher Schüchternheit, ganz schnell zu sich selbst fanden und die Hände gar nicht mehr voneinander lassen konnten, sondern auch von den Menschen, die uns begegnet sind. Sie konnten nicht aufhören, nett nachzufragen, grenzenlos zu hupen und echt goldig zu gratulieren. Und nach diesem Schnell-Shooting, das insgesamt nur unfassbare zwei Stunden gedauert hat, haben wir uns alle noch ein paar Minuten Zeit genommen, um den atemberaubenden Stadtsonnenuntergang zu genießen. 

Im Nachhinein war dieses Projekt trotz der Einfachheit unglaublich bereichernd und hat mir gezeigt, dass wir auch in Zeiten von Einschränkungen aktiv sein können. Es benötigt nur etwas Anpassungsfähigkeit und Improvisation und schon wird aus dem allgegenwärtigen "Abstandhalten" ganz schnell eine unglaublich emotionale Nähe.