Jana & Jean-Pierre

Herbsttrauung mit sanftem Retrofeeling

Janas & Jean-Pierres Hochzeit fand im Oktober 2020 statt. Die Coronazahlen waren nach einem ruhigeren Sommer wieder am steigen und das Bangen damit groß. Dass alles wie geplant stattfinden konnte, hat nicht nur das Hochzeitspaar gefreut. Ich kam also an einem Samstagnachmittag nach einer schon recht aussichtsreichen Anfahrt durch den Vogelsberg in Bermuthshein an, genauer gesagt auf dem Höllerich, oberhalb von Bermuthshein gelegen. Dort erwartete mich eine alte Skisprungschanze. Jana & Jean-Pierre hatten mir natürlich vorher erzählt, dass die Trauung genau neben der Schanze stattfinden würde, aber so richtig vorstellen konnte ich mir das zuvor nicht. Vom Parkplatz aus hat man noch einen klitzekleinen aber extrem steilen Weg bis zur Schanze vor sich, aber sobald diese Anstrengung geschafft ist, kann man sie bewundern: die knapp 18 Meter hohe und 40 Meter lange alte hölzerne Schanze. Die wird zwar seit den 80er Jahren nicht mehr genutzt und ist ganz schön verfallen, aber deshalb nicht weniger eindrucksvoll. Und direkt neben der Schanze war schon alles für die Trauung aufgebaut. Lasst euch gesagt sein, wenn man einen Trauort mit einem so imposanten Denkmal und einer so grandiosen Aussicht gewählt hat, muss man sich um eine aufwendige Dekoration keine Gedanken mehr machen. Also hab ich brav mein Equipment aufgebaut, bevor ich dann auf die Aussichtsplattform der Schanze geklettert bin. Von dort aus war die Aussicht natürlich noch eindrucksvoller und ich konnte beobachten, wie die ersten Gäste von unten anspaziert kamen - ganz klein und winzig und dann immer größer werdend. Jana & Jean-Pierre warteten da schon seit einiger Zeit mit großem Abstand weit hinter der Schanze. Die beiden hatten ihren First-Look schon hinter sich und wollten den Einzug gemeinsam genießen. 

Die Frage des Tages: Welches Outfit is the best?

Jana hatte mich schon lange vorher extra vor dem steilen Weg gewarnt und an bequeme Schuhe erinnert. Und obwohl Turnschuhe eigentlich gar nicht meins sind, hatte ich zum ersten Mal bei einer freien Trauung reinweiße Sneaker an. Fand ich übrigens gar nicht so schlecht. Und auch die Gäste haben sich größtenteils an Janas Empfehlung gehalten. Bis auf ein paar Ausnahmen stapften alle mit den bequemsten Schuhen den Berg hinauf. Die Trauzeugin und die Bridemaids kombinierten ihre festlichen Tüllkleider mit Boots oder Turnschuhen und trugen ihre Outfits so selbstbewusst, dass niemand auf die Idee kommen würde, dass derbe Schuhe nicht zu Elfenkleider passen würden. Nachdem es alle auf den Berg geschafft hatten, die Sprungschanze schon bewundern durften und mit Getränken versorgt waren, war es langsam soweit. Jana & Jean-Pierre hatten jetzt auch wirklich lang genug gewartet. Zum Einzug kamen zuerst die süßen Blumenmädchen und dann das Hochzeitspaar zu mir nach vorn. Und glaubt mir, wenn ich euch sage, dass das ein wundervoller Einzug war, denn die beiden sind meiner bescheidenen Meinung nach nicht nur von Natur aus ein Augenschmaus, nein, Jana sah auch noch aus, wie die typische #instabride, denn sie hatte für die Trauung ihre feinen Schuhe gegen derbe Boots getauscht und sich einen hellgrauen Kuschelpulli übergeworfen. Wer mich kennt, weiß, dass mir da das Herzilein aufgeht. Aber bitte nicht falsch verstehen. Bei so gut wie jedem Einzug geht mir das Herzilein auf. Zum einen ist dieser Moment immer total ergreifend und zum anderen hab ich das Gefühl, dass ich sowieso immer die hübschesten Paare habe, ob die Braut nun Elfe, Prinzessin, Klassische Schönheit oder what ever ist. Aber Janas Outfit während der Trauung ist eines, dass ich sofort auch bei meiner Hochzeit tragen würde. Und jede Frau versteht jetzt sicher, warum mein Herz da schneller gepocht hat.

Die Traumfrau auf der Couch

Wenn ich an die gemeinsame Geschichte dieses Paars zurückdenke, kommt mir direkt das Kennenlernen in den Kopf, das ich ganz besonders gefeiert habe. Aber lest selbst:

 

"Du bist immer nur daheim. Du lernst doch die Traumfrau nicht auf dem Sofa kennen!" Das waren die Worte von Jean-Pierres Mama Marita, die damals eines Besseren belehrt werden sollte. Jean-Pierre, es fand mal wieder eines der Samstagstreffen zum Fußballgucken mit den Jungs auf deiner Couch statt. Natürlich durften die Mädels mal vorbeigucken. Und das taten sie auch. Mit Jana im Schlepptau. Jana, ihr wolltet noch kurz bei den Jungs vorglühen, bevor es für euch weiterging. Und was soll ich sagen? Ihr habt euch gesehen und sofort gemerkt, dass ihr euch irgendwie gut findet. Für Jean-Pierre auch kein Wunder, denn er weiß noch genau, wie Jana in ihrem Minnie Maus-Kostüm vor ihm stand und er sich einfach nur dachte: "Wow!" Jana, du hast Jean-Pierres Nähe gesucht und ohne groß zu Zögern auf der Couchecke direkt bei ihm Platz genommen. Auf dieser Ecke hat gefühlt noch nie ein Mensch zuvor gesessen. Dementsprechend hart war die Stelle und dementsprechend steif hast du dort gesessen. Du weißt noch, das Jean-Pierre direkt ganz ungezwungen mit dir geredet hat. Du hast ihn gleich zu Beginn in seiner gewohnten Umgebung kennengelernt, genau so wie er zu Hause bei seinen Kumpels ist. Seine Lockerheit hat dich direkt fasziniert.

Das saß sie nun also, die besagte Frau, die der Junge auf keinen Fall auf dem Sofa kennenlernen würde. Jana, du hast noch versucht Jean-Pierre zum Mitkommen zu überreden, aber keine Chance. Das sollte aber nicht heißen, dass euer erstes Zusammentreffen folgenlos geblieben wäre. Ganz im Gegenteil. Direkt am nächsten Morgen hat Jean-Pierre dir geschrieben.

 

 

Aber neben dem Inhalt der Trauung hat uns alle noch etwas anderes beschäftigt: Der Wind. Das Wetter war an sich super für einen Herbsttag mitten im Oktober. Es war schon etwas kühler, aber die Sonne kam raus und hat uns verwöhnt. Tja, nur auf den Wind hätten wir getrost verzichten können, aber wer hoch hinaus will, muss damit rechnen. In diesem Zusammenhang bedeutete der Wind kreative Frisurinterpretationen, kalte Ohrläppchen und Nasenspitzen, am Lippenstift klebende Haarsträhnen, verwehte Taschentücher, Sektbizzel im Gesicht, leicht nervige Mikrogeräusche, Seitenwiederfinderei für die Rednerin und absolut keine Chance für die Kerzendeko. Ein absolutes Plus sind bei so einem Wetter aber immer die erfrischenden Fotos und die Erinnerung daran, dass man mal wieder "Vom Winde verweht" anschauen könnte.

Nach der Trauung gab es noch die obligatorischen Paar- und Gruppenfotos direkt vor Ort. Dafür war FotoAlina zuständig. Eine sehr sympathische Fotografin, mit der man direkt warm wird und die am Ende noch dazu wunderschöne helle und fröhliche Fotos liefert.

Auf "Zum Wilden Mann"

Dann startete das große Wandern. Per Autos und zu Fuß machte sich die komplette Hochzeitsgesellschaft auf "Zum Wilden Mann", wo im Hof schon die Getränke bereitstanden. Ich liebe es ja, mich in Locations umzusehen und die vielen Details zu entdecken. In dieser Location erwartet einen neben dem schönen Hof auch ein richtig gemütlicher Innenbereich und noch dazu ein beheiztes Zelt, das man vom Innenraum erreicht und von dem aus man in den Hof blicken kann. Festzelte finde ich immer etwas schwierig. Umso überraschter war ich von diesem Zelt - festlich, lichtdurchflutet, gemütlich. "Joa, kann man machen", dachte ich mir und bestaunte dabei die Tischdekoration. Und auch hier wurde mein privater Geschmack absolut getroffen, aber kein Wunder, denn um die Tischdeko hat sich Braut Jana gekümmert. Also nicht nur die wichtigste Frau des Tages, sondern ebenso Top-Stylistin und nun auch noch Top-Dekorateurin - ein Allround-Talent sozusagen. 

Manchmal fällt der Abschied schwer

An diesem Tag wäre ich gern noch länger geblieben. Um die Feier mitzuerleben; um zu sehen, wie schön es Abends im Zelt sein kann; um das leckere Essen der Location zu probieren, von der ich schon viel gehört hatte und einfach, weil ich glaube, dass der Abend mit Jana & Jean-Pierre noch richtig lustig geworden wäre. Aber Feierabend ist ja auch was schönes, nicht wahr?